Vorwort

lobsang_sangay

Bei Millionen von Menschen ruft das Wort Tibet idyllische Bilder von Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama, von Landschaften mit schneebedeckten Berggipfeln, von fröhlichen Nomaden und singenden Mönchen hervor.

Die konkrete Situation in Tibet aber, so wie sie heute ist, zeigt eine ganz andere, eine brutale Realität: ein Land, seit über 50 Jahren besetzt von China; zahllose Menschen, die ihr Leben verloren haben; eine Kultur, die vom Untergang bedroht ist. Die Unterdrückung hat ein solches Ausmaß erreicht, dass sich, als politische Form des Protests, von 2009 bis heute 130 Tibeter selbst in Brand gesetzt haben.

Und doch, trotz der unglaublichen Herausforderung, die der Aufstieg Chinas bedeutet, bleiben die Tibeter unbeirrt bei ihrer Entscheidung, durch Dialog und „echte Autonomie“ eine fried­liche Lösung mit der Volksrepublik China zu finden. Diese als „Mittlerer Weg“ bezeichnete politische Linie wurde ursprünglich von Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama entworfen und fand überwältigende Unterstützung im tibetischen Volk. Für seinen unermüd­lichen Einsatz für universellen Frieden, der auf unserer gemeinsamen Menschlichkeit beruht, ist Seine Heiligkeit bereits weltweit bekannt, die Politik des Mittleren Weges (Umaylam im Tibeti­schen) nun ist Teil seiner Gabe an die Welt zur friedlichen Lösung von Konflikten – das Behandeln von Konflikten unter verschiedenen Ansätzen wie Dialog, Gewaltlosigkeit und beiderseits vorteilhaften Vorschlägen. Die Situation Tibets zeigt, wie ein solcher Ansatz in einer konkret bestehenden Konfliktsituation Anwendung findet. Sein Erfolg ist von globaler Bedeutung in einer Zeit zunehmender Gewalt, in der die Bedeutung friedlicher Konflikt­lösungen gesellschaftlichen Diskurses über. Was wird aus dem Frieden, wenn lang­jährige gewaltfreie politische Bewegungen scheitern? Der Fall Tibets ist eine Heraus­forderung an die Welt, ihren Mut zusammenzunehmen und nach diesen Prinzipien zu handeln, wenn sie einem zunehmend aggressivem China gegenübersteht.

Wir haben in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit und Unterstützung für die Politik des Mittleren Weges erfahren. Um diese Entwicklung zu stärken, haben wir, auf der Grundlage von schon existierendem Material zur Politik des Mittleren Weges, für den Anfang diese spezielle Website mit neuen, knapp gefassten Unterlagen (Informationsblatt, Chrono­lo­gie, Häufig gestellte Fragen) und Videoclips erstellt. Helfen Sie uns, unsere Botschaft des Friedens zu verbreiten, indem Sie diese Dokumente in Ihrem Netzwerk teilen.

Die Tibetische Zentralverwaltung CTA) ist der Politik des Mittleren Weges tief verpflichtet und wird weiterhin auf dem Fundament aufbauen, das unsere Vorgänger gelegt haben, so dass die Freiheit in Tibet wiederhergestellt bald werden kann.

(Unterschrift)

Dr. Lobsang Sangay
Sikyong

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